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⌨️ Sanskrit-Eingabesteuerung & Hybrid-Architektur ​

Dieses Dokument erfasst die architektonische Analyse und Entscheidungsmatrix zur Handhabung von Sanskrit-Eingaben (IAST, Harvard-Kyoto, Devanāgarī) in Zentauri.


1. Ausgangslage & Problemstellung ​

Wissenschaftliche Texte und Lehrmaterialien im Bereich Indologie/Sanskrit sind typischerweise Mischtexte:

  • Fließtext in modernen Sprachen (Deutsch, Englisch) mit normaler Satzstruktur und Groß-/Kleinschreibung.
  • Eingebettete Sanskrit-Fachbegriffe, Flexionsformen, Zitate und Verse in IAST (International Alphabet of Sanskrit Transliteration) oder Devanāgarī.

Daraus resultiert ein ergonomischer Zielkonflikt bei der Tastatureingabe:

  1. Diakritika-Reichtum: IAST erfordert Makrons (ā, ī, ū), Unterpunkte (ṛ, ṝ, ḷ, ṃ, ḥ, ṭ, ḍ, ṇ, ṣ), Tilden (ñ) und Akzente (ś), die auf Standard-Tastaturen keine Direkttasten besitzen.
  2. Standard-ASCII-Alternativen: Transliterationssysteme wie Harvard-Kyoto (HK) kodieren alle Phoneme verlustfrei in 7-Bit ASCII (kRSNaH), sind jedoch für Druck und Bildschirmlesung ungeeignet.
  3. Persistenz vs. Eingabefluss: Wie soll der Text im Markdown-Dokument gespeichert werden, und wo/wie soll die Eingabetransformation erfolgen?

2. Architektonische Entscheidungsmatrix ​

DimensionOption A: OS-TastaturlayoutOption B: Nur Harvard-Kyoto (HK)Option C: Applikationsebene (Editor-IME)
Setup-AufwandHoch (Benutzer muss Drittanbieter-Layouts wie EasyUnicode installieren).Keiner (Standard-US/DE-Tastatur genügt).Keiner (funktioniert out-of-the-box in der App).
PlattformkonsistenzGering (macOS, Windows und Linux nutzen komplett unterschiedliche Dead-Keys).Hoch (plattformunabhängiges ASCII).Absolut (identisches Verhalten auf allen Betriebssystemen via CodeMirror 6).
Schreibfluss im MischtextStörend: Ständiger Wechsel des Systemlayouts (z. B. Cmd+Space) mitten im Satz.Mäßig: Manuelle Konvertierung oder unleserlicher Quelltext.Nahtlos: Kontextabhängige automatische Wandlung ohne Tastenlayout-Wechsel.
Quelltext-LesbarkeitHervorragend (echtes IAST im Markdown).Schlecht: ASCII-Kürzel (dharmakSetre) wirken typografisch unruhig.Hervorragend (echtes IAST oder Devanāgarī im Quelltext).
Satzanfang / GroßschreibungKein Konflikt.Konflikt: Großbuchstaben in HK sind phonetisch belegt (R = ṛ, S = ṣ).Kein Konflikt dank kontextueller Scopes.
Korpus-KompatibilitätHoch.Gering (müsste vorab konvertiert werden).Hoch (bestehende IAST- und Devanāgarī-Dateien bleiben unverändert).

3. Das 3-stufige Hybridkonzept ​

Implementierungsstatus

  • Stufe 1 (Kanonische Speicherung): ✅ Aktiv — Standard-IAST/Devanāgarī-Persistenz im Markdown-Quelltext.
  • Stufe 2 (In-Editor Live-IME): 📋 Roadmap / Backlog — Geplante CodeMirror-Erweiterung für Version 2.0.0 (siehe Roadmap & Backlog).
  • Stufe 3 (Post-Hoc-Transliteration): ✅ Aktiv — Tastatur-Shortcuts ⌥⌘D & ⌥⌘H und Toolbar-Aktionen.

Aus der Gegenüberstellung ergibt sich die hybride Architektur, die maximale Ergonomie bei voller Standardkonformität gewährleistet:

mermaid
flowchart TD
    subgraph Stufe1["Stufe 1: Persistenz & Quelltext (Aktiv)"]
        DOC["Kanonischer Text: IAST (kṛṣṇaḥ) oder Devanāgarī (कृष्णः)"]
    end

    subgraph Stufe2["Stufe 2: Live-Eingabeschicht (Roadmap / Backlog)"]
        SCOPE["Scope-Erkennung: 《...》 oder ⟪...⟫"]
        HK_INPUT["Tippen in 7-Bit HK (kRSNaH)"]
        COMPOSE["Fließtext: Compose-Sequenzen (.r => ṛ, -a => ā)"]
        SCOPE -.->|Zukünftige Echtzeit-Wandlung| DOC
        COMPOSE -.->|Zukünftige Auto-Ersetzung| DOC
        HK_INPUT --> SCOPE
    end

    subgraph Stufe3["Stufe 3: Post-Hoc Tooling & Batch-Wandlung (Aktiv)"]
        SHORTCUTS["⌥⌘D (IAST ⇄ Deva) / ⌥⌘H (HK ⇄ Deva)"]
        BATCH["Korpus-Import & Schnellumschaltung markierter Wörter"]
        SHORTCUTS --> DOC
        BATCH --> DOC
    end

Stufe 1: Kanonische Speicherung (Markdown-Ebene — Aktiv) ​

  • Das Markdown-Dokument speichert immer echtes IAST (kṛṣṇaḥ) oder natives Unicode-Devanāgarī (कृष्णः).
  • Keine Bindung an Zentauri: Die Dateien bleiben in Git, GitHub, VS Code und Typst typografisch sauber und lesbar.
  • Harvard-Kyoto fungiert rein als Eingabe- und Transformationswerkzeug, niemals als Zwangs-Speicherformat.

Stufe 2: Kontext-gesteuerte Live-Eingabe (In-Editor IME — Roadmap / Backlog) ​

Die Eingabesteuerung erfolgt künftig direkt in der CodeMirror-6-Transaktionsschicht des Editors:

  1. Scope-basierter Live-IME:
    • Innerhalb der etablierten Sanskrit-Klammern (《...》 und ⟪...⟫) tippt der Autor in flüssigem Harvard-Kyoto ASCII.
    • Der Editor transformiert die Zeichen beim Tippen sofort in die konfigurierte Zieldarstellung (IAST oder Devanāgarī).
    • Außerhalb der Klammern bleibt die Tastatur auf Standard-Deutsch/Englisch.
  2. Compose-Key Simulation im freien Text:
    • Für einzelne Sanskrit-Wörter im Fließtext ohne Klammern bietet der Editor intuitive Compose-Sequenzen (z. B. .r => ṛ, -a => ā, ~n => ñ, 's => ś, .s => ṣ), ohne dass der Benutzer ein OS-Sonderlayout benötigt.

Stufe 3: Post-Hoc Transliteration & Korpus-Tools (Aktiv) ​

  • Tastatur-Shortcuts ⌥⌘D (IAST ⇄ Devanāgarī) und ⌥⌘H (Harvard-Kyoto ⇄ Devanāgarī) im Header und Editor.
  • Schnelle Umwandlung bestehender Texte, Zitate oder importierter Korpora mit Beachtung von Tags (<...>, [...], {...}).

4. Garantie für native OS-Tastaturlayouts (EasyUnicode / Dead-Keys) ​

Ja, direkte Eingaben über installierte OS-Tastaturlayouts sind zu 100 % gewährleistet und bleiben vollwertig unterstützt:

  1. Native Unicode-Durchleitung: CodeMirror 6 verarbeitet alle vom Betriebssystem gesendeten Zeichen (beforeinput/input) transparent. Wer auf OS-Ebene z. B. ⌥a => ā oder ⌥r => ṛ tippt, schreibt ohne jeden Umweg direkt IAST in das Dokument.
  2. Kollisionsfreiheit: Der anwendungsbasierte Editor-IME (Stufe 2) verarbeitet ausschließlich reine ASCII-Zeichenfolgen (Harvard-Kyoto) und lässt bereits zusammengesetzte IAST-Unicode-Zeichen (ā, ī, ū, ṛ, ṣ etc.) unangetastet.
  3. Abschaltbarkeit (Opt-in / Passthrough): Stufe 2 wird als optionaler Modus konfigurierbar sein (Editor-IME: Auto / HK-to-IAST / Aus). Autoren mit eingespieltem OS-Tastaturlayout können den Editor-IME vollständig deaktiviert lassen und wie gewohnt arbeiten.

Zentauri • Nativer wissenschaftlicher Markdown-Editor