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📖 ZenTauri Philological Workbench — Benutzerhandbuch ​

Eine integrierte, native Desktop-Arbeitsumgebung für die Digital Humanities: Wissenschaftliches Authoring (DE/EN/SA), synoptische Master-JSON-Editionen und Vektor-PDF-Kollationierung.


🏛️ Einleitung & Philosophie des Produktes ​

Die ZenTauri Philological Workbench wurde aus der editorischen Praxis anspruchsvoller philologischer Großprojekte (wie dem Payer Online-Sanskritkurs und der synoptischen Edition der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad) heraus entwickelt. Sie ist kein generischer Allzweck-Markdown-Editor und keine überfrachtete Office-Suite, sondern ein fokussiertes Präzisionswerkzeug für die wissenschaftliche Textarbeit.

Das Dilemma herkömmlicher Textverarbeitungen (MS Word & Co.) ​

In der akademischen Editions- und Übersetzungspraxis greifen viele Philologen mangels Alternativen zu Microsoft Word. Bei Kernaufgaben der textkritischen Philologie führt dies regelmäßig zu schweren Problemen:

  1. Schriftmischung & Kodierungschaos: Die Kombination europäischer Sprachen mit Sanskrit (IAST-Umschrift mit vedischen Akzenten, Devanāgarī-Originalschrift) führt in Office-Programmen zu springenden Zeilenabständen, fehlerhaften Ligaturen und unberechenbarem Schriftartenwechsel.
  2. Kollationierungs- & Synopsen-Bruch: Mehrspaltige Gegenüberstellungen (z. B. Scan ⇄ Urtext ⇄ Übersetzung ⇄ Apparat) brechen in Standard-Textverarbeitungen bei Seitenumbrüchen auseinander.
  3. Mehrstufige Apparate: Die parallele Führung von Handschriften-Varianten, Parallelstellen und Sachkommentaren überfordert herkömmliche Fußnotensysteme.
  4. Das TEI-XML-Dilemma: Standardkonformes TEI-P5 XML ist das anerkannte Archivierungsformat von Bibliotheken und Fachgesellschaften, von Hand im Alltag jedoch unbedienbar und fehleranfällig.

Die vier Kernprinzipien von ZenTauri ​

ZenTauri löst diese Herausforderungen durch vier architektonische Grundsätze:

  1. Das 3-Work-Modes Modell (Funktionale Trennung): Statt alle Werkzeuge auf einmal in die Benutzeroberfläche zu drängen, schaltet die ActivityBar zwischen drei spezialisierten Arbeitsmodi um:

    • Modus 1 (Authoring): Schnelles, ablenkungsfreies Schreiben in erweitertem Markdown.
    • Modus 2 (Synoptische Edition & Master-JSON): Segmentierte Bearbeitung historischer Ausgaben (book.json / AST) im Split-Pane (Scan-PDF links ⇄ strukturierter Editor rechts).
    • Modus 3 (Dual PDF QA & Proofing): Vektorbasierter 2-Spalten-Vergleich (Original vs. Neusatz) mit visuellen Bounding-Box-Annotationen und KI-Korrektur-Prompt.
  2. Duale Daten-Architektur (Die 2 philologischen Texttypen):

    • Texttyp A (Linearer Fließtext: Lektionen, Notizen, Essays): Kanonisches Speicherformat ist reines Markdown.
    • Texttyp B (Segmentierte Korpora & historische Editionen wie Böhtlingk oder Bṛhadāraṇyaka): Kanonisches Speicherformat ist strukturiertes Master-JSON (book.json). Jeder Texttyp besitzt seine eigene, natürliche Repräsentation als unveränderliche Single Source of Truth.
  3. Plain Text First & Interoperabilität (Kompilieren statt Hand-Taggen): Zentauri zwingt den Autor niemals dazu, rohes TEI-P5 XML oder instabiles OOXML von Hand zu tippen.

    • DOCX-Dateien werden beim Import automatisch über eine Rust/Pandoc-Pipeline in sauberes, bereinigtes Markdown überführt.
    • Verlags-DOCX-Manuskripte (Gentium Plus / Noto Serif Devanagari), standardkonformes TEI-P5 XML, Typst-Druck-PDFs und Web-Synopsen werden vollautomatisch als nachgelagerte Kompilierungsziele (Distribution Targets) generiert.
  4. Nativer Rust/Tauri-Unterbau: Zentauri wiegt ca. 30 MB, startet in Millisekunden und arbeitet ohne schwere Browser- oder Node.js-Abhängigkeiten. Das PDF-Rendering geschieht nativ als Vektor-SVG (hayro_svg), die Datei- und Workspace-Indizierung erfolgt über eingebettetes SQLite.


🗺️ Gesamt-Kapitelgerüst des Benutzerhandbuchs ​

Dieses Handbuch ist in sechs methodische Hauptteile untergliedert. Aktive Funktionen sind sofort anwendbar; im Ausbau befindliche Module sind mit ihrem Roadmap-Status gekennzeichnet:

Teil I: Grundlagen & Arbeitsumgebung ​

  • Kapitel 1: Installation & Workspace-Konzept (Systemanforderungen, Projektordner, lokale SQLite-Indizierung)
  • Kapitel 2: Benutzeroberfläche & Navigation (ActivityBar, File Explorer, Workspace-Suche, Split-Pane-Ergonomie)

Teil II: Work-Mode 1 — Wissenschaftliches Authoring (Markdown) ​

  • Kapitel 3: Philologisches Markdown & Container-Boxen (Grammatik-Boxen, Payer-Syntax, Danda-Interpunktion, Tabellen mit :br)
  • Kapitel 4: Mehrsprachigkeit & Sanskrit-Eingabe (IAST, Devanāgarī-Brackets 《...》, Transliteration ⌥⌘D / ⌥⌘H, Live-IME)
  • Kapitel 5: Formeln, Typografie & Wissensvernetzung (KaTeX-Formeln, Mermaid-Diagramme, Fußnoten [^1], Definitionslisten)
  • Kapitel 6: Export & Ausgabe (Typst-PDF-Kompilierung, Standalone-HTML-Export nach Modern Web Guidance)

Teil III: Work-Mode 2 — Synoptische Edition & Master-JSON (Roadmap) ​

  • Kapitel 7: Das Master-JSON Konzept (book.json) (Die Architektur der Bṛhadāraṇyaka-Edition als AST-Single-Source)
  • Kapitel 8: Split-Pane Editions-Layout (Scan-PDF links ⇄ strukturierte Segment-Eingabe rechts)
  • Kapitel 9: Segmentbasierte Felder (Devanāgarī, IAST, Übersetzung, Lemmata, textkritischer Apparat)
  • Kapitel 10: Silent Auto-Repair & Validierung (Automatische Korrektur von typografischen Anführungszeichen und Dandas beim Speichern)
  • Kapitel 11: TEI-P5 XML & Synopse-Kompilierung (Automatischer Export nach <ab>-Standard und HTML-Synopse)

Teil IV: Work-Mode 3 — Dual PDF QA & Kollationierung (Aktiv / Ausbau) ​

  • Kapitel 12: Dokumentenvergleich im Vektor-Synchron-Viewer (Zwei PDFs parallel laden, SWAP-Funktion)
  • Kapitel 13: Scroll-Synchronisationsmodi (Prozentuale Bindung, Seiten-Lockstep, Heading-Sync)
  • Kapitel 14: Visuelle Bounding-Box-Annotationen (Konzipiert) (Klick & Drag auf Vektor-SVGs, normalisierte Prozent-Koordinaten)
  • Kapitel 15: KI-Korrektur-Bridge (Web-First) (Konzipiert) (1-Klick Clipboard-Prompt für Claude/ChatGPT/Gemini)
  • Kapitel 16: Export kommentierter Korrektur-PDFs (Konzipiert) (Eingebrannte Boxen für Lektoren und Vision-KIs)

Teil V: Interoperabilität & Verlags-Workflow ​

  • Kapitel 17: DOCX-Ingest (Import & Veredelung) (Konzipiert) (Befreiung von Word-Ballast, Unicode-Normalisierung)
  • Kapitel 18: DOCX-Export (Verlags-Manuskripte) (Konzipiert) (Scholarly Reference Template mit Gentium Plus & Fußnoten)
  • Kapitel 19: Korrekturverfolgung & CriticMarkup (Konzipiert) (Lektorat mit {++hinzu++}, {--gelöscht--}, {>>Kommentar<<})

Teil VI: Konfiguration & Referenz ​

  • Kapitel 20: Stylesheet-Anpassung (custom.css) (Birchville Scholarly Synthesis Design System, Theme-Anpassungen)
  • Kapitel 21: Tastenkürzel & Produktivitäts-Cheatsheet (Tastatur-Befehlsreferenz für macOS und Windows/Linux)

🛠️ Praxisleitfaden zu den aktiven Kernfunktionen ​

1. Benutzeroberfläche & Navigation (Teil I) ​

  • ActivityBar (Linke Randleiste): Bietet schnellen Wechsel zwischen Explorer, Suche, Cheatsheet und den Work-Modes.
  • Split-Pane: Synchronisierte Ansicht mit CodeMirror 6 auf der linken Seite und der Live-Vorschau auf der rechten Seite.
  • Dateibaum: Inline-Umbenennen und Anlegen von Notizen ohne störende Modaldialoge (Enter bestätigt, Escape bricht ab).

2. Wissenschaftliche Container-Boxen (Modus 1) ​

ZenTauri bringt vordefinierte Block-Container nach dem Payer-Standard mit:

Grammatik-Paradigma: devo viṣṇuḥ = देवो विष्णुः = „Viṣṇu ist ein Gott.“

  • ::: grammar-box: Goldene Umrandung für morphologische Paradigmen und Lautgesetze.
  • ::: warning-box: Terracotta/Signalrot für didaktische Warnungen und sprachliche Stolperfallen.
  • ::: verse-box: Eingerückter Kasten für Ślokas, Mantras und metrische Schemata.
  • ::: note-box: Schiefergrauer Kasten für philologische Sachanmerkungen und Textzeugen.
  • ::: indent, ::: center, ::: media, ::: no-header: Strukturelle Layout-Blöcke.
  • ::: info, ::: tip, ::: warning, ::: danger, ::: details: Standard-VitePress-Container.
  • Abwärtskompatible Aliase: grammar-box2 (sekundäre Schemata), important (warning-box), literatur-box (note-box), compact (verse-box).

3. Sanskrit-Typografie & Transliterations-Shortcuts (Modus 1) ​

  • Devanāgarī-Brackets: Text in CJK-Doppelklammern wie 《धर्मक्षेत्रे कुरुक्षेत्रे》 oder ⟪...⟫ wird automatisch im Devanāgarī-Font gerendert und farblich hervorgehoben.
  • Bidirektionale Transliteration:
    • ⌥⌘D (Option+Cmd+D): Markierten Text zwischen IAST (kṛṣṇaḥ) und Devanāgarī (कृष्णः) umschalten.
    • ⌥⌘H (Option+Cmd+H): Markierten Text zwischen Harvard-Kyoto (kRSNaH) und Devanāgarī umschalten.
  • Akademische Fußnoten & Definitionslisten:
    • Standard-Fußnoten über [^1] im Text und [^1]: Fußnotentext am Dokumentenende.
    • Definitionslisten über Term\n: Definition.

4. Dual PDF QA: Vektor-Synchron-Viewer (Modus 3) ​

  • Zwei Dokumente synchron prüfen: Über die Menüleiste oder ActivityBar wird der PdfDualViewer geladen.
  • Vektor-SVG-Schärfe: PDF-Seiten werden über die Rust-Engine hayro_svg gerendert – Schriften bleiben auch bei starkem Zoom gestochen scharf.
  • Sync-Modi:
    • % (Prozentual): Beide Spalten scrollen proportional zur jeweiligen Gesamtlänge.
    • Seite (Lockstep): Beide Dokumente wechseln seitenweise synchron.
    • Off: Unabhängiges Scrollen.
  • SWAP-Taste: Vertauscht linke und rechte Dokumente mit einem Klick.

5. Individuelle Gestaltung (custom.css) ​

Über die Konfigurationsdatei ~/.config/zentauri/custom.css (macOS/Linux) bzw. %APPDATA%\zentauri\custom.css (Windows) können alle Farben, Schriftarten und Container individuell überschrieben werden:

css
/* Eigene Akzentuierung für Grammatik-Boxen */
.vp-doc .custom-block.grammar-box,
.grammar-box {
  background-color: #fcf9f2 !important;
  border-left-color: #b45309 !important;
}

Zentauri • Nativer wissenschaftlicher Markdown-Editor